Für meinen Bapa

02.18.2017

Liebster Bapa,

ich weiß, dass ich deine ganzen Lebenspläne umgeworfen habe. Ich habe dir nur sechs Monate alleine mit Mama gelassen. Du hattest gerade den Umzug in eure Traum WG gewuppt, als ihr schon wieder ausziehen musstet. Und ich weiß auch, dass du gar nicht wusstest, ob du überhaupt Kinder haben möchtest.

Die ersten Wochen, als ich noch in Mamas Bauch war, waren sicher komisch für dich. Nur eine launische Mama und ein klitzekleiner Bauch haben auf mich hingewiesen. Aber ich, ich hab dich direkt lieb gehabt. Ich habe dich gehört, wie du liebevoll mit Mama gesprochen hast, wenn sie mal wieder traurig war. Ich habe die Angst in deiner Stimme gehört, die Tage nach der Entscheidung, und wie du sie versteckt hast um Mami Mut zu machen. Ich habe Mamas Freude gespürt, wenn du abends von der Arbeit kamst. Ich habe gehört, wie du alle ihre Wünsche umgesetzt hast, auch wenn es nur ein blödes Regalbrett war und du so müde von der langen Woche warst. Ich habe dein Lachen gehört und die Wärme gespürt, die du damit bei Mama ausgelöst hast.

Und irgendwann, ja irgendwann, konnte ich dich endlich spüren. Deine Hand durch Mamas dicken Bauch hindurch. Ich wollte zu dir schwimmen, aber lange Zeit noch war ich zu schwach. Was war es schön, als ich endlich treten und hauen konnte um dich zu erreichen. Deine und Mamas Freude darüber war so schön. Ab jetzt kamst du immer öfters um mir hallo zu sagen und erst jetzt hast du richtig angefangen mit mir zu sprechen. Das kann ich schon verstehen, Papi. Ich wusste so viel von dir und du so wenig von mir.

Und als ich dann auf der Welt war, war ich erstmal gar nicht begeistert. Wie auch – es war kalt und hell und ich wusste gar nicht was los ist. Mama konnte sich nicht bewegen, aber du, du hast mich direkt in deine Arme genommen und gewogen. Hast mich angelächelt, in meine kleinen Augen gesehen, die noch nichts sehen konnte außer dich. Du wolltest mich gar nicht zum Wiegen hergeben (und das hättest du auch ruhig lassen können!). Ich habe bei dir im Bett geschlafen, du hast mich gewickelt und getröstet, weil Mami immer noch nicht aufstehen konnte. Der habe ich wohl ganz schön was zugemutet.

Es war immer so schön bei dir. Auf dir zu schlafen, überall. Von dir in der Trage stundenlange umhergetragen zu werden. Und du hast mich vor Mami gerettet, wenn sie böse und gernervt war. Dann hast du mich geschnappt und wir zwei hatten Spaß und haben die doofe Mami zu Hause gelassen. Und trotzdem hatte Mami halt die Milch. Da konntest du nicht mithalten, auch wenn du der allerliebste Papa warst. Ich weiß, dass dich das oft traurig gemacht hast, aber Mamas Milch hat mich so sehr beruhigt. Da musste ich manchmal weinen, wenn nur du da warst und ich doch so gerne von Mamas Brust getrunken hätte.

Aber irgendwann gab es neue Milch und die war toll, denn die konnte ich auch von dir trinken. Du warst vielleicht stolz, als ich sie endlich von dir bekommen konnte. Und von dem Tag an, Papa, da hab‘ ich dich genauso lieb wie Mama. Manchmal sogar noch mehr als Mama. Dafür fehlt sie mir manchmal doch, wenn ich ohne sie schlafen soll. So ist das mit der Liebe, sagt Mama, die verändert sich jeden Tag ohne jemals weniger zu werden. Genau. Sie wird nämlich immer mehr. Weil du die coolsten Sachen mit mir machst, wie Fahrradtouren oder Sonntagsausflüge, wenn Mama noch im Bett liegt. Dir darf ich an den Haaren ziehen und du schreist nicht so blöd rum wie Mama. Du pendelst mich an meinen Füßen durch die Gegend (bis Mama kommt und schimpft). Und du hast mich immer lieb, wenn ich traurig bin. Dann hockst du dich hin und ich laufe auf meinen kleinen Beinen so schnell wie ich kann. Denn ich weiß – bei Papa wird alles wieder gut. Dafür sorgst du jeden Tag.

Ich hab dich auch lieb Papa, auch wenn ich dir manchmal alles abverlange. Dann kann ich noch nicht anders. Dann ist da so viel Gefühl, was ich noch nicht kenne und die einzigen, bei denen ich das abladen kann, sind doch du und Mama. Du bist mein allerliebster Lieblingsmann. Du bist mein Bapa.

Einen feuchten Sabberkuss,

dein kleines Mini Mupfelchen

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9 Comments

  1. Bini sagt:

    Oh, da sind mir eben tätsachlich ein paar Tränen über die Wange gelaufen! Ein solch schöner Brief! ❤️❤️❤️

    Wir drücken euch ganz doll!

    1. closerthanyesterday sagt:

      Oh, Bini! Ich drück‘ zurück 🙂

  2. Jule Liedtke sagt:

    Soooo schön geschrieben 😍
    Hab jeden Moment miterlebt und nachempfunden 💖

    1. closerthanyesterday sagt:

      Danke!! 🙂

  3. Anna sagt:

    Wie schön geschrieben 🙂

    1. closerthanyesterday sagt:

      Vielen Dank! 🙂

  4. Lea sagt:

    Ich habe jetzt zum ersten Mal deinen Blog gelesen. Denn schon der Anfang hat mich zutiefst berührt. Danke für diese Worte. Hier kullern die Tränen! 💘

    1. closerthanyesterday sagt:

      Oh, dankeschön. Das rührt mich sehr, dass ich dich damit so berühren konnte! <3

  5. Katrin sagt:

    So schön und sooo lieb geschrieben aus den Augen deiner Tochter.
    Hat mich sehr beeindruckt
    LG Schrauberschwester

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