Ich habe mit sechs Monaten abgestillt – egoistisch? Nein, für uns perfekt!

12.11.2016

Oh, ich weiß. Stillen ist ein ganz heikles Thema! Vor allem wenn man als Mutter den Abstillzeitpunkt selbst bestimmt hat. So wie ich.

Meine Stillgeschichte

Meine ganze Stillgeschichte könnt ihr hier bei Laura lesen – und im Rahmen ihrer Blogparade Deine Stillgeschichte auch übrigens eure Stillgeschichte dort veröffentlichen. Dort lest ihr wie schön unser Stillstart war, wie schön auch die ersten Monate waren, aber wie stressig es dann wurde. Und warum ich das Abstillen mit gut einem halben Jahr bisher noch keinen Tag bereut habe.

Für uns war der perfekte Zeitpunkt zum Abstillen also mit sieben Monaten gekommen, auch wenn ich ihn bestimmt habe und nicht Malou. Und ich bin sehr dankbar da nur und ganz ausschließlich auf mein Bauchgefühl gehört zu haben. Manch‘ einer mag mir vorwerfen es wäre egoistisch, aber ich habe diese Entscheidung weder leichtfertig noch unüberlegt getroffen. Wer ein Kind hat, hat die Verantwortung sich mit sich selbst und mit den Entscheidungen für sein Leben genau auseinanderzusetzen. Ich habe viel nachgedacht, gelesen, auf Malou und mich geachtet und für uns einen tollen Weg gefunden.

Ist meine Entscheidung egoistisch?

Aber ja, auch wenn es für Malouchen in keiner Weise schlimm war, so war es doch eine egoistische Entscheidung. Nicht weil ich jetzt auch mal ausgehen kann und Malou bei meinen Eltern schläft, weil ich nach Paris fahren konnte oder einfach entspannt in die Uni kann – das sind alles Aspekte, die mir sehr gut tun und somit auch Malou und meiner Beziehung. Denn von all‘ diesen Auszeiten komme ich mit so viel Energie und Ruhe zurück, die ich die nächsten Stunden bis Wochen mit in unseren Alltag trage. Aber das alles hat keine Priorität mehr für mich und ich hätte Malou zu Liebe immer darauf verzichtet.

Ich habe aber ganz tief in mich hineingehört und das Stillen, die engste Bindung die man zu seinem Kind hat, war einfach nicht mehr schön. Sie hatte für mich etwas von „jetzt musst du stillen“, ich war gegen Ende nur noch selten so voller Liebe und tiefentspannt, wie ich es am Anfang war. Ich bin kein stressresistenter Mensch, wenn viel zusammen kommt, dann reagiere ich schnell gereizt und auch mein ganzer Körper steht unter Anspannung.  Und diesen negativen Aspekt wollte ich mir ersparen und ihn gleichzeitig nicht unsere sonst rundum wundervolle Mutter-Tochter-Beziehung belasten lassen. Es war also eine egoistische Entscheidung, bei der ich auf meine Bedürfnisse geschaut habe, aber damit Malou auch eine wesentlich ruhigere, liebevollere Einschlafbegleitung bieten kann.

Jeder sollte seinen ganz eigenen Weg finden

Das soll kein Plädoyer für das Abstillen sein. Muttermilch ist mit Abstand das Beste für das Kind, vor allem in den ersten Lebensmonaten! Aber es gibt Faktoren, die sind wichtiger als das. Innerliche Ruhe, die sich immer, immer fast 1:1 auf das Kind überträgt, genau wie innere Anspannung oder Gereiztheit. Liebe beim Kuscheln statt Anspannung beim Stillen. Und wenn man sich sicher ist, dass man all‘ das seinem Kind besser geben ohne Stillen, dann ist das (so meine Meinung) in Ordnung! Ich habe drei Mütter als Freundinnen, die das Stillen ganz unterschiedlich gehandhabt haben und trotzdem sind es alle drei Mütter, die die Bedürfnisse ihrer Kinder immer hören und an erste Stelle packen:

Laura von Trendshock zum Beispiel stillt Aric auch im zweiten Lebensjahr nach Bedarf – das finde ich so toll, weil Aric es braucht und die beiden sehr zufrieden damit sind. Wenn es gut klappt, wie bei den beiden, dann ist es ein Segen für das Kind weiterhin gestillt zu werden. Klar, Laura hat auch Stillmomente, die nicht rosig sind, aber sie hat auch eine positivere Art mit anstrengenden Situationen umzugehen als ich es zum Beispiel habe. Sie belastet es nicht so und somit können sie das Stillen perfekt in ihren Alltag integrieren. Wie wundervoll, dass sie ihren perfekten Weg gefunden haben!

Und genauso wundervoll finde ich es, wenn man auf eine andere Art und Weise seinen Weg findet: Eine liebe Freundin von mir hat vier Monate gestillt, eine andere gar nicht, und trotzdem sind es die beiden in meinem Freundeskreis, die am liebevollsten mit ihren Söhnen umgehen. Sie haben sich eben andere Ruheinseln mit den Kleinen geschaffen haben. Besser als unglücklich zu Stillen, da bin ich mir ganz sicher! Sie haben diese Entscheidung nicht leicht getroffen oder aus Bequemlichkeit, sondern weil sie sich in der riesigen Herausforderung Muttersein vor Dingen schützen, von denen sie wissen, dass sie sie belasten. Das ist ein riesiger Unterschied und ein wichtiger Schritt dazu sich selbst zu lieben. Auf sich selbst zu hören und in sich selbst zu ruhen. Und das tut man ja nicht nur für sich, sondern auch um seinem Kind eine sichere Basis zu geben.

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2 Comments

  1. Steffi sagt:

    Hallo Biene,
    ich gebe dir völlig recht, jede Mama muss für sich selbst entscheiden ob und wielange sie stillen möchte. Ich habe je 12 Monate gestillt, meine Schwester gar nicht und wenn jemand bis 3 Jahre stillen möchte ist das auch vollkommen in Ordnung, wenn es beiden damit gutgeht. Aber Stillen, obwohl sich innerlich alles dagegen wehrt, ist für die Mutter-Kind-Beziehung wenig förderlich. Wie du schon schreibst man kann sich auch anders schöne Rückzugsmomente schaffen.
    Liebe Grüße
    Steffi

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