Mein Kind muss nicht schlafen lernen

10.30.2016

Kaum ein Thema wird so viel diskutiert wie das Schlafen. Von Geburt an leuchtet das große Ziel: DURCHSCHLAFEN. Es nimmt einen großen Teil aller gängigen Elternratgeber ein, es ist das erste was jeder Bekannte – ob mit oder ohne Baby – fragt und ist scheinbar wichtiger als Zufriedenheit des Babys, die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung und mein eigenes Wohlbefinden. Wurde ich jemals gefragt ob ich glaube, dass wir beide glücklich sind? Ob bei uns Liebe vorherrscht oder es manchmal schwierig ist?

Wenn ich stolz lächelnd erzähle, dass ich Mutter einer kleinen Tochter bin kommt meist in dieser Reihenfolge. „Ach, wie schön, ich bin auch Mama/Oma/Onkel, meine Kleine ist aber schon ..“ „Wie heißt sie denn?“ „Malou, was für ein schöner Name und so selten.“ „Kann sie schon laufen?“ „Toll, meine ist auch so früh gelaufen.“ „Und, wie sind die Nächte?“ „Oh, Gott, du Arme, meine haben mit drei Monaten durchgeschlafen.“

Dabei antworte ich auf die Frage nicht mit traurigem Gesichtsausdruck, beklage mich nicht über meine Müdigkeit, sondern sage: „Malou wacht noch ein paar Mal auf nachts, meist müssen wir sie nur wenige Sekunden beruhigen und meist trinkt sie noch eine Flasche so um drei. Aber das ist okay, damit kommen wir ganz gut klar.“ Letzterer Satz wird aber scheinbar überhört und Entsetzen macht sich breit. Ein Einjähriges was nicht durchschläft? Die arme Mutter, ihr Leben muss von dieser Tatsache überschattet sein und sie verdient unser Mitleid.

Der Blickwinkel auf das Thema Schlafen macht mich manchmal wütend, meist schaffe ich es aber ihm mit Gleichgültigkeit zu begegnen. Wer mir nicht richtig zuhören mag oder scheinbar selbst nicht nachdenkt, der soll weiterhin statt eigene Gedanken einzubringen sich an (leider) festgefahrene gesellschaftliche Denkweisen halten. Denn dieses Mysterium „Durchschlafen“ mit drei Monaten ist in so vielen Köpfen verankert. In den Köpfen von Eltern älterer Kinder, wobei ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass alle Kinder freiwillig mit drei Monaten durchgeschlafen haben. In den Köpfen von Kinderlosen, die es von allen Seiten aufschnappen und als Tatsache ansehen, dass kleine Babys eigentlich sehr schnell durchschlafen. Wütend machen mich vor allem die Kapitel „Schlafen“ in Baby-Ratgebern zum ersten Lebensjahr, die eine immens hohe Auflage haben und von einem Großteil werdender Eltern gelesen werden. Denn auch diesen wird dadurch schon in der Schwangerschaft das Ziel gesetzt, möglichst schnell wieder ruhige Nächte zu haben. Und dass dies scheinbar alleine geschieht, wenn man sich an einfache Regeln wie eine ruhige, kühle  Schlafumgebung und feste Rituale hält.

Eine Dozentin, die Eltern-Kleinkind-Beraterin ist, hat uns in ihrem Seminar erzählt, dass sie Eltern den Tip gibt nur zwei Bücher zu lesen: Babyjahre von Remo H. Largo und Ich will bei euch schlafen von Sibylle Lüpold, alles andere verunsichert Eltern und stört somit die intuitive Kompetenz auf sein Kind zu hören. Für mich der beste Tip, den ich in meiner Schwangerschaft gehört habe! Ich habe mir beide Bücher sofort gekauft und bin bis heute begeistert. Ersteres zeigt Entwicklungen auf, die das Baby in seiner Wahrnehmung in den ersten Monaten durchläuft ohne festzuschreiben, wie und in welchem Tempo das Baby dies tun sollte. Zweiteres ist ein wundervolles Buch über Cosleeping, über das Verlangen von Babys nach Nähe, Liebe, Wärme – gerade nachts. Es zeigt die verdrehten Vorstellungen unserer westlichen Welt, ein Kind müsse alleine und schnell durchschlafen und würde durch das Familienbett gefährdet oder in seiner Selbstständigkeit beschnitten. In anderen Kulturen schauten die Mütter ungläubig bei der Frage, ob ihr einjähriges Kind alleine und durchschlafen würde. Dort ist es normal die Kinder auch nachts häufig zu stillen, dort macht sich niemand Gedanken um das Schlafen. Die Kinder schlafen mit im Bett bis sie sich selbst abstillen und schlafen dann von sich aus mit drei oder vier Jahren im eigenen Bett. Schlafstörungen existieren in diesen Kulturen auch im Erwachsenenalter quasi nicht! Wusstet ihr das?

Ich bin diesen beiden Büchern sehr dankbar, weil sie mich die vielen Nächte in den letzten 14 Monaten nie haben verzweifeln oder noch schlimmer: an mir selbst haben zweifeln lassen. Malou schläft in ihrem Bett (neben unserem) ein, damit sie geschützt ist solange wir im Wohnzimmer sitzen, und wenn sie nachts aufwacht hole ich sie zu uns. Wann immer sie aufwacht ziehe ich sie ganz nah zu mir bis sie wieder einschläft, ich küsse sie und streichle ihren kleinen Bauch, sie spielt mit meinen oder Papa Mupfels Haaren – ihr Stillersatz seit dem Abstillen. Da sie tagsüber meist nicht so gut isst, hat sie nachts Hunger, ihr fehlt Energie. Also bekommt sie nachts noch eine Flasche und schläft dann sofort ruhig und satt wieder ein. Es gibt Nächte da trinkt sie nur die Flasche und schläft sonst „durch“. Aber es gibt auch Nächte, in denen wacht sie alle halbe Stunde auf, so dass ich mich dann mit ihr hinlege, auch wenn ich lieber meinen Feierabend genießen, noch mein Essay zu Ende schreiben oder einen Film schauen würde. Ist dann halt so! Was sie dann braucht ist Nähe und Liebe und die bekommt sie bedingungslos, ob tags oder nachts. Ich habe ein selbstbewusstes kleines Wesen herangezogen, das mir vertraut, das sich ohne einen Mucks hat Abstillen lassen und sogar gerne bei Oma schläft, weil sie ein ganz tiefes Urvertrauen hat. Und da ist es mir ganz gleich, dass ich in manchen Nächten fünfzehn Mal wach werde.

Das heißt natürlich nicht, dass ich in den ersten Monaten beim nächtlichen Dauerstillen nicht des Öfteren ein paar Tränen verdrückt habe oder abends nicht manchmal innerlich die Zähne zusammenbeiße, wenn ich dringend noch etwas für die Uni erledigen muss und ich zum fünften Mal an ihrem Bett stehe. Ich glaube das ist nur menschlich. Und das heißt auch nicht, dass unser Weg der einzige ist – ich weiß, dass es Kinder gibt die auch ohne Schlaflernprogramm fast von Anfang an durchschlafen. Oder mit sechs oder zwölf Monaten. Das ist wunderbar und freut mich für alle Beteiligten. Nur bei uns ist das nicht so. Aber das ist halt nicht so schlimm, wie immer alle meinen. Schlafen muss man nicht lernen, das kommt mit Liebe und Vertrauen schon irgendwann alleine. Beim einen früher, beim anderen später.

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14 Comments

  1. pünktchenundanton sagt:

    Ein Beitrag, bei dem mir das Herz aufgeht.
    Ähnlich wie ihr haben wir es auch gehandhabt. Unser Sohn hat sehr lange nur auf unserem Bauch schlafen können und mich die ersten 8 Monate alle 2 Stunden zum Stillen geweckt. In manchen Nächten habe ich die Nähe genossen, in manchen verflucht. Aber ich bzw. wir haben ihm jederzeit diese Nähe gegeben,die er doch so dringend brauchte. Mit 11 Monaten stillte er sich von selbst ab, weil er durchschlief. Und nicht umgekehrt, wie manche Leute mir weismachen wollten.

    1. closerthanyesterday sagt:

      Dankeschön! 🙂 Das hört sich anstrengenden aber schön an, so wie bei uns.

  2. Madita Eickelmann sagt:

    Ein richtig schöner Artikel!! Dankeschön. Bei uns ist das Thema Durchschlafen auch gerade sehr aktuell. Unser Mattis ist fast 14 Monate alt und hat bisher – sicherlich eher aus Versehen – erst zweimal durchgeschlafen. Seitdem ich im September wieder angefangen habe zu arbeiten stoße ich durch das nächtliche Aufstehen schon manchmal an meine Grenzen. Aber ich versuche immer wieder, mir zu sagen „hey, der Kleine bekommt alle Zeit, die er braucht und meine Aufgabe ist es, ihn dabei zu unterstützen“.

    1. closerthanyesterday sagt:

      Dankeschön!! 🙂
      Das machst du toll, das versuche ich mir auch immer zu sagen.

  3. Bea sagt:

    Ein wunderschöner Beitrag, der mir Mut macht, weiterhin auf mein Bauchgefühl zu hören. Unsere kleine Maus ist jetzt 25 Monate alt und schläft auch noch nicht durch. Noch dazu schläft sie teilweise nur in meinen Armen oder auf meinem Bauch ein. Auch wenn es manchmal wirklich sehr anstrengend sein kann, genieße ich es auch, dass sie mich so sehr braucht.
    Allerdings muss ich mich genauso wie du immer wieder rechtfertigen, warum meine Tochter nicht durchschläft. Das kann wirklich nerven.

    Mach weiter so!

  4. Bea sagt:

    Hab gerade einen Fehler entdeckt. 🙈 Meine Tochter ist erst 15 Monate alt. Hab mich wohl vertippt. 🙈

    1. closerthanyesterday sagt:

      Danke für deine lieben Worte!! 🙂

      Mit 25 Monaten sieht es ja dann vielleicht schon ganz anders aus. 🙂 Mir geht es auch so .. es ist ein Hin und Her zwischen Genießen und wirklicher Anstrengungen. Aber wir schaffen das schon!

  5. Melanie K. sagt:

    Toller Beitrag, klasse 👍🏼
    Werde mir einiges davon raus ziehen und entgegnen, wenn mal wieder die Frage nach dem durchschlafen kommt. Es gibt ja wirklich wichtigeres! 😉
    Ich klaue mir auch immer gleich die links zu den tollen Klamotten oder anderen Nützlichkeiten 😊 Diesen Schlummersack schaffe ich auf jeden Fall auch an, wenn meine Kleine groß genug ist. Dauert noch, gerade 14 Wochen alt.

    1. closerthanyesterday sagt:

      Dankeschön, das ist so schön zu hören! 🙂
      Malou schläft auch nur noch in dem Schlummersack.

  6. Rike sagt:

    Ich habe direkt mal eine Frage zu dem Schlafsack. Schläft dein Kind dann mit nackigen Füßen? Ist das nicht zu kalt?

  7. Liz sagt:

    Super Text 🙂 hoffe das ihn auch kinderlose lesen und mamas.die sich aufregen, dass andere kinder noch nicht durchschlafen.

    Durchschlafen ist leider immer so ein Thema wo viele mamas die kinder miteinander vergleichen. Für mich ist durchschlafen auch dann, wenn das kind kurz wach wird zum trinken (1-2 Minuten) so wie unser kleiner mann. fUr die mama meines verlobten ist durchschlafen, wenn dad Kind garnicht wach wird nachts. Jeder hat seinen eigenen plan von Durchschlafen daher kann es eben auch niemand verallgemeinern

    zu dem muss ich sagen. Anfangs hat mein sohn auch in seinem Bettchen geschlafen war gepuckt, weil er es liebte, und ich sass bei ihm bis er schlief oder lag in seinem bettchen neben ihm. Mit 6 wochen hat er dann von 22 – 8 uhr morgens geschlafen und das ging dann auch eine weile so. nun isf es immer noch so 17 Monate alt ist er derzeit. Ab und an wird er wach nachts weil er dann sein wasser möchte bekommt er auch und schläft dann weiter -das zählt für mich auch zum Durchschlafen- wir haben seit er 19 wochen alt ist das Familienbett weil er ab da nicht mehr gepuckt wurde und daher auch nicht mehr schlief in seinem bettchen. Es stört uns nicht und wir alle schlafen viel entspannter 🙂 Leider bekommt man aber auch immer von anderen ja sogar freundinnen -mit UND ohne Kinder- gesagt, dsss es falsch sei ein kind habe alleine im eigenen zimmer zu schlafen. könnten sich ja dran gewöhnen bei mama & papa zu schlafen. dem kann ich aber nun auch wieder sprechen denn unser kleiner kann durchaus auch alleine in seinem zimmer schlafen haben es mal ausgetestet um die dummen kommentare dieser leute zu wiederlegen. es ging ganz super er schlief neben mir ein ich wartete 10 minuten und ging dann aus dem zimmer und er schlief durch 🙂 nur ich nichta ich mir immer sorgen machte war also alle 30 minuten auf und in seinem zimmer dchauen ob alles ok ist. sein papa/mein verlobter hat zwar durchgeschlafen aber seeehr unruhig.

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