Wie mein Kind ganz von alleine schlafen „lernte“

06.10.2017

Vor über einem halben Jahr, als Malou mit gut einem Jahr „immer noch nicht“ durchschlief, verfasste ich den ersten Post zum Thema (Durch)schlafen.

Nun will ich euch mit diesem Beitrag ein Update geben.

In den Monaten seit dem Beitrag, und auch davor, war ich immer überzeugt davon das richtige zu tun. Trotzdem war ich manchmal so unendlich müde und gereizt abends, dass ich kurz davor war sie alleine in ihrem Zimmer zu parken. Eine abgeschwächte Version der vielen Schlaflernprogramm anzuwenden. Wohlgemerkt – ich war manchmal kurz davor, aber mein Mamaherz und mein Verstand siegten dann doch immer über mein dünnes Nervenkostüm.

Und auf einmal, mit 21 Monaten, schläft Malou alleine in ihrem Beistellbett ein und in der Regel durch. Nicht weil sie es gelernt hat, sondern weil sie die ersten zwei Jahre ihres kleinen Lebens erfahren hat, dass immer jemand da ist und kommt, auch im Dunklen, auch nachts, auch zum 20. Mal in einer Nacht. Schlafen ist nichts anstrengendes, einsames, schlimmes, mit negativen Gefühlen behaftet. Malou hat diese 21 Monate gebraucht um es als etwas Gutes einzuspeichern und hat so hoffentlich eine bessere Schlaf-Zukunft vor sich als ich mit meinen ewigen Ein-/Durch-/überhaupt Schlafproblemen. Und das nicht trotz Familienbett und Co sondern eben weil.

Trotzdem haben wir ein bisschen nachgeholfen. Denn die Nächte waren für Malou meist komfortabel, für uns dagegen aber so gar nicht. Papa Mupfel und ich haben uns zusammengesetzt und einige Kleinigkeiten verändert, die für Malou (nach und nach) kaum merklich waren, uns aber sehr entlastet haben und uns letztendlich den Weg zum Durchschlafen geebnet haben.

Familienbett, Einschlafbegleitung, nächtliche Mahlzeiten .. aber

  1. Endlich ein großes Bett

    Unser 1.60 Meter Bett war als Familienbett zu Dritt einfach viel zu klein. Daher haben wir zusammen mit Dormando umgerüstet (Achtung Achtung, Werbung, war ein PR-Sample 🙂 ) und das neue Bett ist in doppelter Hinsicht der Himmel auf Erden. Aus 1.60 Meter wurden 2.70, da wir nun Malous Bett auf eine Höhe stellen und ihr Bett noch zusätzlich als Betterweiterung nutzen konnten. Außerdem habe ich noch nie in meinem Leben auf so einer Matratze gelegen. Von Qualität und Liegekomfort wirklich ein meilenweiter Unterschied zu unserer alten IKEA-Matratze. Alles zu unserer SOMNEO Kaltschaummatratze findet ihr hier.

  2. Nachts nur noch Wasser trinken

    Weitaus tiefgreifender für Malou war die Veränderung, sowohl abends als auch nachts keine Milchflasche mehr zu bekommen. Zumindest dachten wir das, denn sie nutzte das Nuckeln zum einen zum Einschlafen, zum anderen nahm sie so teilweise drei Mahlzeiten zu sich, die sie tagsüber natürlich weg ließ. Wir wagten der Versuch, nachdem sie die Flaschen in Portugal fast komplett von alleine weggelassen hatte. Dort aß sie so gut und die Tage waren so aufregend, dass sie nachts in der Regel ganz ohne wach werden und „Pilch“ rufen auskam. Bevor wir abflogen, habe ich mit Malou gemeinsam Pulver und Flaschen in den Müll geschmissen und ihr erklärt, dass beides leider in Portugal bleiben muss. Wir stellten uns auf anstrengende Nächte ein, in den wir Brote schmieren oder sie Stunden beruhigen mussten. Aber oh Wunder – sie fragte bis auf einmal nie wieder nach ihrer „Pilch“. Nachts gibt es jetzt nur noch aus der großen Trinkflasche Wasser, was sie selten in Anspruch nimmt. Dies hat uns viel Ruhe nachts eingebracht.

  3. Puppen Haare statt unsere

    Seit wir abgestillt haben (davon habe ich euch hier erzählt) hat Malou unsere Haare als Einschlafhilfe genutzt. Was anfänglich perfekt erschien, weil sie sich damit fast augenblicklich selbst regulierte und beruhigte zeigte sich mit der Zeit als gar nicht mehr so perfekt. Es ging erstmal weniger darum, dass so immer jemand da sein musste um sie in den Schlaf zu begleiten, obwohl das natürlich auch vom Durchschlafen abhält. Viel mehr tut es mit größerer Kraft auch immer mehr weh. Und in anstrengenden Nächten zusätzlich deswegen die Zähne zusammenbeißen zu müssen ist für unser gemeinsames Schlafen nicht sehr förderlich.
    Nachdem die Milch abgeschafft war und Malou sich daran gewöhnt hatte, folgte also der nächste Schritt. Wir setzten uns mit ihr zusammen und erklärten, dass uns das mit den Haaren weh tut. „Das tut Mama und Papa sehr weh beim Schlafen. Aber schau‘ mal diese Puppe. Die hat soo tolle Haare und ihr tut es nicht weh“. Und oh Wunder 2.0 – auch dies akzeptierte Malou ohne ein Widerwort. Wenn sie nachts nach unseren Haaren sucht, dann legen wir ihre kleinen Händchen vorsichtig auf die Haare der Puppe.
    Das hat direkt drei Vorteile: es ist für uns schmerzfrei, wir sind um ein Vielfaches entspannter. Wir müssen nicht in Zeitlupe ihre Hände aus unseren Haaren lösen und hoffen, dass sie ja nicht aufwacht. Und das wichtigste: Malou kann damit alleine wieder einschlafen.

  4. Einschlafen im eigenen (Beistell-)Bett

    Durch das neue große Bett und der Puppe statt uns als Einschlafhilfe, kann Malou in ihrem eigenen Bett einschlafen ohne dass sie durch Gitterstäbe oder andere Grenzen von uns getrennt liegt oder unmittelbar neben uns liegen muss. Sie möchte sogar von selbst in „Nunu(s) Bett“. Sie liegt dann mit Schnuller und Puppe dort und ihre Augen gehen fast von selbst zu. Dadurch, dass sie durch die anderen drei Punkte sowieso fast durchschläft liegt sie meist die ganze Nacht in ihrem Bett. Das fördert ihren Schlaf nochmal, da sie nicht bei jeder Bewegung von uns wach wird, uns trotzdem aber spürt, atmen hört etc.
    Manchmal kommt sie ganz eng an mich gekuschelt und nimmt meine Hand. Manchmal schiebt sie meine Hand aber auch weg und möchte ganz alleine einschlafen.

Selbstbestimmtes Schlafengehen

Von Geburt an geht Malou dann in’s Bett, wenn sie müde ist, also ohne festen Rhythmus und auch ohne Abendritual. Da wir warten, bis sie müde ist, ist sie dann auch nicht mehr fähig ein Abendritual mitzumachen. Vorlesen mag sie noch gar nicht und Bücher aktiv schauen macht sie im Zweifel nur wieder putzmunter.

Selbstbestimmt Schlafengehen hieß als sie ganz klein war, dass sie mit uns in’s Bett gegangen ist. Seit sie nur noch einmal am Tag schläft, ist sie alleine zu einem Rhythmus gekommen. Wenn wir gegen neun Uhr aufwachen, ist sie zwischen 11 und 12 Uhr müde und schläft dann eine halbe bis zwei Stunden. Je nachdem um wie viel Uhr und wie lange der Mittagsschlaf war und auch wie lange wir unterwegs waren geht sie dann abends in’s Bett. Meist ist das so gegen 20 Uhr, selten früher, an zwei bis drei Abenden die Woche auch 22 Uhr oder später. Das ist okay, schließlich sind wir auch nicht immer um die gleiche Uhrzeit müde.

Trotzdem herrscht abends die Regel: wach bleiben ja, aber dann alleine Spielen. Ich schaue gerne Bücher oder kuschle mit ihr, aber möchte nicht mehr Bespaßen. Erstaunlicherweise klappt das abends viel besser als tagsüber und Malou spielt oft über ein oder zwei Stunden in einer Seelenruhe, dass wir sie niemals in’s Bett stecken könnten, denn es ist wundervoll anzuschauen. Wenn sie müde wird, wird sie knatschig, zieht an uns rum oder will dass wir unbedingt aufstehen. Auf den Vorschlag „Heia“ willigt sie dann oft mit einem weinerlichen Jaa ein. Ansonsten sagen wir „Okay, aber wir machen uns zumindest schon mal bettfertig“. Zwischen Zähneputzen, Windel wechseln und Eincremen hat sie dann meist vergessen, dass sie noch gar nicht in’s Bett wollte und sinkt totmüde in die Kissen.

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5 Comments

  1. Marina Sh. sagt:

    Wie schön zu lesen. Genauso machen wir auch, ich musste gestern mit einer Freundin Diskussion führen, weil ich erzählte dass unser 18 Monate altes Kind selbstbestimmt wann er schlafen will. Sie hat nur mit dem Kopf geschüttelt. Egal jeder wie er will. Wir sind glücklich so. Lag marina

  2. Eva sagt:

    Sehr schön geschrieben! So in etwa läuft das bei uns auch, meine Tochter ist jetzt 1 Jahr und geht dann ins Bett wann sie müde ist. Derzeit ist das etwa 12 Uhr nachts. In der Regel schläft sie dann jedoch durch. Auch wenn wir natürlich froh sind, wenn es mal früher ist, ist ihr Spiel zwischen 10 und 12 abends besonders schön anzusehen. Ich denke wenn sie jetzt ab August in die krippe geht, wird sich ihr Rhythmus von selber einstellen.
    Viele Grüße, Eva

  3. Jasmin sagt:

    Sehr interessanter Text, der mir wieder Mal zeigt das ich anscheind sehr nach (Mutter)Instinkt handle, denn mein Sohn (mittlerweile 6,5 Jahre) geht auch selbstbestimmt schlafen.
    Durchgeschlafen hat er tatsächlich sehr früh, mit 7 Wochen. Hab mich damals selbst erst erschrocken und sehr gewundert. Erst fiel die Fläche nachts um 1 weg, dann auch die um 22 Uhr und er schlief von 19-7 Uhr und mittags von 12-14 Uhr. Bei der Flasche nachts um 1 hab ich ihn dann auch zu mir ins Bett geholt, aber nicht wegen dem „Familienbett“ oder weil er sonst nicht weiter geschlafen hätte, sondern weil ihr so für uns beide angenehmer empfand. Mit 18 Monaten dann ins eigene Zimmer (nach Umzug) und der Mittagsschlaf fiel weg, dann schlief er von 19-10 Uhr. Mit 2,5 kam er nachts in mein Bett, was auch bis fast 5 ok für mich war. Aber dann wurde es einfach zu eng, da mein Sohn nachts im Schlaf anscheind Sport macht und mir ständig in die Rippen trat 😂😂 hab ihm erklärt warum ich das nicht mehr möchte und das er aber wenn er krank ist z.b bei mir ins Bett darf…hat er problemlos akzeptiert.
    Jetzt, er ist wie gesagt 6,5 Jahre, geht er zwischen 19 und 20 Uhr ins Bett und darf dann dort auch noch leise spielen bis er tatsächlich müde ist und schlafen möchte. Im Winter geht das Recht schnell, aber jetzt im Sommer bleibt es ja lange hell, also schläft er dann zwischen 21/21:30 ein.

    Klar gab es auch mal Zeiten wo ich abends gemeckert hab, wenn er nicht schlafen wollte 😂 aber so ist es doch viel angenehmer, immerhin Schlaf ich ja auch nicht sofort ein, wenn ich ins Bett gehe..warum sollte es dann mein Sohn so machen?

    Und als Mutter mosert man ja eh oft genug rum, da muss ich nicht auch noch abends meckern , wenn es ums schlafen geht.😂
    Einzige Regel bei uns (da er sonst wohl gar nicht schlafen würde), wenn wir dann gute Nacht gesagt haben und ich wieder im Wohnzimmer bin, darf er zwar auf Toilette oder was trinken, aber ich habe unterhalte mich nicht mehr quer durch die Wohnung mit ihm.

    LG Jasmin

    1. Jasmin sagt:

      Sry für die Schreibfehler, meine Autokorrektur hat ein Eigenleben 😂😂

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