Malous Geburt – friedlich und unkompliziert. Mein Geburtsbericht.

05.11.2017

Überall lese ich schreckliche Geburtsberichte, bei denen ganz schön viel schief gelaufen ist. Höre von manueller Dehnung des Muttermundes oder sogar Mobbing auf der Geburtenstation. Aber es geht auch anders – mit meinem Geburtsbericht möchte ich Mut machen, dass auch alles wunderschön sein kann. Es tat höllisch weh, mehr als ich für möglich gehalten hatte. Aber in einer geborgenen Umgebung ist das aushaltbar und nicht verstörend oder ängstigend. Diese geborgene Umgebung hatte ich nicht etwa daheim oder in einem hebammengeführten Kreißsaal, sondern im Krankenhaus. Man muss nur das richtige finden.

Ich wollte schon immer früh Mama werden, habe mich auf dieses kleine Wesen und die unendliche Liebe gefreut, obwohl es noch Jahre entfernt lag. Und doch hatte ich schon damals Angst vor der Geburt, vor den Schmerzen, der großen Blöße, der man sich als Frau in dieser Situation hingibt. Als Malou noch nach der 30. Schwangerschaftswoche in Beckenendlage lag und ein Kaiserschnitt im Raum stand, war ich fast erleichtert. Doch Malou drehte sich fünf Wochen vor dem ET doch noch und mit ihr auch meine Einstellung zur Geburt.

Der Entschluss eine schöne Geburt zu haben

Ich weiß nicht, woher auf einmal mein Sinneswandel kam. Ich las überall‘ auf Instagram von langen, qualvollen Geburten, bei denen viel schief lief. Aber anstatt mich davon zusätzlich ängstlichen zu lassen, dachte ich mir auf einmal: „Es kann doch nicht jede Geburt so schlimm verlaufen.“ Je länger ich wartete, erst kam der ET, dann die 41. und sogar 42. Schwangerschaftswoche, desto mehr wollte ich das winzige Mupfelchen in mir drin kennen lernen.

Ich bin seit der 36. Woche zur Akupunktur gegangen, habe mir die letzten zwei Wochen noch zusätzliche Nadeln zur Wehenförderung setzen lassen. Ich habe mir in der Apotheke eine Teemischung mit Eisenkraut mischen lassen und diese parallel zu den vielen Tassen Himbeerblättertee getrunken. Ich habe Ingwer gegessen, bin die Treppen hochgewippt und dazu noch so einigen anderen Blödsinn gemacht. Ob es letztendlich geholfen hat die Wehen anzuregen, sei dahingestellt, aber es hat definitiv geholfen, dass ich mich gut vorbereitet und bereit gefühlt habe.

Das richtige Krankenhaus finden – wo bloß in Köln entbinden?

Wir haben so einige Krankenhäuser und Geburtenstationen in Köln in Erwägung gezogen, aber alle schnell wieder verworfen. Scheinbar jedes war überlaufen – das gehypte Severinsklösterchen hat oft mehr als zehn Geburten am Tag bei drei Kreißsälen. Auch über Geburten in Bonner Krankenhäusern habe ich leider nicht viel Gutes gelesen. Hauptgrund war neben medizinischen Komplikationen immer ein Mangel an Zeit, Platz und Personal.

Ich selbst bin in Bad Honnef geboren und fuhr auf den Vorschlag meiner Mutter daher zur Kreißsaalbesichtigung in’s CURA Bad Honnef. Wir wussten direkt, dass wir hier richtig sind. Mit ca. 800 Geburten im Jahr war die Sorge groß, dass die Geburtenstation langfristig keinen Bestand haben wird. Umso mehr umsorgt wurden wir als werdende Eltern, man nahm sich für unseren kleinen Kreis viel Zeit, es herrschte eine ganz ruhige und liebevolle Atmosphäre im ganzen Krankenhaus. So etwas kann ein Großstadtkrankenhaus kaum leisten, wohl aber moderne Krankenhäuser in einer kleinen Stadt.

Auch vor, während und nach der Geburt änderte sich dieses Gefühl nicht, dass wir wahrgenommen werden, wir als kleine Familie wichtig sind und alles für uns getan wird. Ich empfehle jedem eben nicht das beliebteste Krankenhaus zu wählen, in das jeder aus einem großen Umkreis fährt und das aus allen Nähten platzt. Am wichtigsten ist, dass man sich unter der Geburt wohl fühlt und das tut man am ehesten in einer ruhigen Atmosphäre.

Die Geburt

Acht Tage ließ Malou uns warten. Ich hatte zwar meine Angst abgelegt, sie war der Ungeduld gewichen, dass ich nun endlich endlich mein kleines Mädchen kennen lernen wollte. Alles was ich jetzt noch wollte, war bitte keine Einleitung. Diese war für ET +10 geplant und als Malou zum Wochenwechsel in die 42. Schwangerschaftswoche immer noch keine Anstalten machte sich von alleine in Bewegung zu setzen kippte meine Stimmung doch sehr. Papa Mupfel packte mich ein um mich abzulenken und wir wollten in Brühl spazieren und etwas essen.

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Mitten im Schloßpark, gegen sechs Uhr nachmittags, fingen dann auf einmal die Wehen an – just in dem Moment, in dem ich endlich einmal aufhörte über die Geburt nachzudenken. Das hatte ich zuvor immer wieder versucht, aber es nie ganz geschafft. Da stand ich also bei herrlichem Wetter und krümmte mich vor Schmerzen. Es war noch aushaltbar, aber trotzdem wusste ich: jetzt geht es los! Wir fuhren trotzdem in Ruhe nach Hause, ich machte noch den Wehentest in der Badewanne und war dann gute drei Stunden später im Krankenhaus.

Nach einem CTG wussten wir – es geht wirklich los. Ich sollte zwei Stunden spazieren gehen, schaffte aber nur anderthalb. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich dass sich viele Frauen vielleicht auch ein wenig anstellen und ich die Schmerzen schon aushalten würde. Tat ich aber nicht! Ich versuchte den Schmerz wegzuatmen, zu kreisen und fragte meinen leicht hilflosen Freund immer wieder wie das so weh tun kann. Wir klopften also am ansonsten ganz stillen Kreißsaalgang und ich fragte nach irgendetwas gegen die Schmerzen. Ich kam an den Tropf, was im Nachhinein eine ganz blöde Entscheidung war. Die Schmerzmittel wirkten nicht, die Wehen wurden schlimmer und ich war total benommen. Ich hangelte mich von Wehe zu Wehe und nahm nach zwei Stunden das Angebot meiner Hebamme an, eine PDA zu setzen.

Ich hatte mir vorher bewusst keinen Plan gesetzt und wollte spontan entscheiden. Nach gut sechs Stunden Wehen war mein Muttermund erst vier Zentimeter auf und ich wollte einfach nur, dass diese Schmerzen aufhören. Die PDA wurde um eins bestellt, um halb zwei gesetzt und eine halbe Stunde später lag ich selig lächelnd auf der Liege. Die Anästhesisten hatten gute Arbeit geleistet und ich spürte bis auf ein leichtes Ziehen nichts mehr von den Wehen. Ein Zentimeter pro Stunde rechnete ich, da habe ich jetzt ca. noch sechs Stunden. Papa Mupfel saß am anderen Ende des Raumes, ich wollte weder getätschelt noch gestreichelt noch sonst was werden. Für uns beide sicher die einfachste Lösung während der Geburt.

Auf einmal ging alles ganz schnell

30 Minuten nach der PDA untersuchte uns unsere wirklich unglaublich nette Hebamme, die uns sonst komplett in Ruhe gelassen hatte. „Ihr Muttermund ist offen“, sagte sie. „Wie weit denn?“ „Ganz offen, trinken Sie noch was und dann kann es losgehen.“ Ich war kurz geschockt und mein Freund glaube ich noch mehr. Dadurch dass ich so entspannt war, vielleicht auch durch den viele Tee und die Akupunktur im Vorfeld, hatte mein Körper die ganze Freiheit gehabt alleine zu arbeiten. Um 2.50 Uhr durfte ich pressen und nach zwei Presswehen ohne Schmerzen, da die PDA ja gerade erst gesetzt war, kam Malou um 2.53 Uhr völlig gesund zur Welt.

Es war schmerzvoll und ohne begreift man die Geburt wohl auch nicht ganz. Obwohl das Meckern auf hohem Niveau ist, wünschte ich mir manchmal es hätte ein wenig länger gedauert und wäre gegen Ende nicht so schnell gegangen. Aber das ist wirklich das einzige, was ich mir für die Geburt anders gewünscht hätte. Unser Glück war dieses Krankenhaus, auch wenn wir nach Bad Honnef ca. 40 Minuten gefahren sind. Aber so viel Zeit hat man in der Regel als Erstgebährende und wir hatten ein Notfallkrankenhaus ca. 15 Minuten von unserer Wohnung.

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1 Comment

  1. Caro sagt:

    Oh, wie schön, sooo niedlich 🙂

    Ich beschäftige mich auch schon eine ganze Weile mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt, obwohl ich davon eigentlich noch weit entfernt bin.
    Mein Mann und ich möchten aber unbedingt in den nächsten 1-2 Jahren Nachwuchs haben und mich gruselt es noch etwas, weil ich schon so oft am Bauch operiert werden musste und mir echt etwas Sorgen mache, dass etwas passieren könnte.

    Ein schöner Geburtsbericht und es freut mich, dass alles so gut gelaufen ist.
    Mal keine Horrorstory, das ist doch auch wunderbar 😀

    Liebe Grüße,
    Caro

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