Nein. Heute klappt es nicht.

02.09.2017

Was habe ich mich nach zwei Tagen ohne meine Liebsten gestern auf mein Babymädchen gefreut. Ich habe mir ausgemalt, wie wir heute den Tag verbringen. Lachend, Blödsinn im Kopf, spielend und kuschelnd. In der Realität haben wir beide schon geweint, ich habe Malou angeschrien und so geflucht, dass sie selbst versucht hat „scheiße“ zu sagen. Nein. Heute klappt es nicht.

Und das ist nicht die Schuld vom Mupfelchen. Auch wenn es alle zwei Minuten etwas anderes umkippt, das ich wieder aufsammeln oder -wischen muss und bei einem „nein“ in Tränen ausbricht. Und auch wenn es mir an den Haaren zieht, mich haut und überhaupt mir scheinbar heute lieber wehtut als sich freut, mich wieder zu haben. Solche Tage hat jedes Kleinkind und meines eigentlich selten. Aber eben heute. Und da wäre es meine Aufgabe uns aus der Situation zu retten, wie soll das eine Anderthalbjährige schaffen?

Ein voller Kopf kann keinen Frieden stiften

Aber ich, ich bin noch halb in meiner Hamburgreise. Nicht wie damals in Paris, als noch der kleine Freiheitstrieb in mir Zeit brauchte um zum Stillstand zu kommen. Nein, ich freue mich sehr wieder dabeim zu sein. Aber es war so laut, so viele tolle Menschen, Ideen für den Blog und scheinbar endlose neue Punkte auf meiner To-Do-Liste. Spät daheim bin ich schlafen gegangen und hab‘ mich zu Papa und Mini Mupfel gekuschelt. Und konnte trotz großer Müdigkeit nicht schlafen. So viele unbeendete Gedankengänge.

Genauso bin ich heute morgen wieder aufgewacht. Habe versucht mit Malou zu spielen, in einer Service Hotline zu hängen und gleichzeitig mein Notizbuch zu füllen, um meinen Kopf ein wenig frei zu bekommen. Und auch noch mit einem Auge auf die Karteikarten geschielt, die ungelernt neben mir liegen und bis zur morgigen Klausur irgendwie in meinem Kopf landen müssen. Ich hatte die Hamburgreise vor den Klausuren eingeplant, weil ich ja jeweils vier Stunden Zugfahrt vor mir hatte und diese mit Lernen verbringen wollte. Stattdessen habe ich gequatscht und geschlafen und so den Stress daheim vorprogrammiert.

Zwei Gänge zurück

Und jetzt? Wie komme ich da wieder raus? Mindestens zwei Gänge zurück. Mein Kind hatte die rettende Idee, mit der wir aus dem Kreislauf des gegenseitigen Unruhig-Machens ausbrechen konnten. Es wollte in die Badewanne. Und da war es egal, dass wir vorgestern schon Baden waren. Ich habe mein Handy ausgemacht und weggelegt, die Hotline kann ich auch morgen nach der Klausur anrufen. Ich habe das kleine Nackidei-Mupfelchen in die warme Badewanne gesetzt und alle meine Pläne in mein Notizbuch geschrieben. Das liegt jetzt im Schreibtisch und wird erst in der neuen Woche hervorgeholt. Ich habe das Bad geputzt und das Gefühl etwa geschafft zu haben. Und jetzt ein nach Hipp duftendes Mupfelchen auf mir liegen, was friedlich schläft und nichts gegen die Liebe tun kann, mit der ich es umhülle. Und die direkt auf mich zurücktschlägt. Das ist das wundervolle an der Liebe. Sie potenziert sich, kaum hat man sie gegeben.

Ich habe meine Gedanken hier niedergeschrieben und sie damit entschleunigt. Und dabei festgestellt, dass alles wieder auf das langsam Leben hinausläuft. Ich konnte Hektik immer gut verarbeiten, als da niemand war, den ich mit meiner eigenen Unruhe anstecken konnte. Oder zumindest nur jemand, der sich dagegen wehren konnte, in dem er mich (im wahrsten Sinne des Wortes) in Ruhe ließ und nach Hause ging. Malou kann das nicht. Sie ist auf mich und meine Stimmung angewiesen. Und das ist eine verdammt große Verantwortung. An der ich manchmal scheitere. So wie heute.

Ich hoffe auf ein langes Schläfchen und eine besser gelaunte Malou danach. Die ich mir ohne Handy und Karteikarten schnappen werde, um den Nachmittag dort zu verbringen, wo es aufregend, aber leise ist. Vielleicht im Wald. Oder auf dem Spielplatz. Notfalls flüchten wir wieder in die Badewanne.

 

2 Comments

  1. Laura sagt:

    Story of my Life. Heute habe ich probiert etwas drauf zu achten, dass man einen Ganz zurück schaltet – wenn es nur so einfach wäre. Manchmal fällt man wieder zurück in alte Gewohnheiten.

    Liebe Grüße

    http://www.trendshock.de

  2. Nadine sagt:

    Danke für die tollen Worte. Ich musste auch erst lernen, dass die Kinder dein Spiegel sind. Bist du unentspannt – sind sie es oftmals auch. Nicht immer leicht umzusetzen, aber wenn man sich das bewusst macht, versteht man es einfach besser =))

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