Slow March oder ein März auf Reisen

04.01.2017

Nach diesem anstrengenden Semester mit dreifach Belastung durch Blog, Hausarbeiten und Studium und vor allem eine gute Mama sein, habe ich dem März so sehr entgegengefiebert. Auch wenn es nicht wie geplant an’s andere Ende der Welt ging (warum konntet ihr hier lesen), so ging es doch raus aus dem Alltag, mit dem Flugzeug quer über Europa, in die Sonne und an’s Meer. Geplant waren knapp vier Wochen Portugal, es wurden drei Wochen in diesem wunderschönen Land, ganz ohne ein Wort für die Uni oder den Blog zu schreiben, sich Gedanken über Wäsche waschen oder Einkaufen zu machen. Und das war eine unglaublich gute Entscheidung.

Die ersten Tage des Monats waren ein wenig hektisch, vor allem wegen vielen Arztbesuchen weil Malous Haut sehr schlimm war. Dazu kam, dass sowohl mein Führerschein, als auch meine Kreditkarte schon lange verschollen waren und ich mich so spät drum gekümmert habe, dass beide erst am Tag vor der Abreise ankamen. An dem mir dann auffiel, dass Malous Reisepass verschwunden ist. Alle meine Freunde, die das hier lesen, werden lachen, weil das so typisch für mich ist. Genauso typisch ist es, dass es mit viel Stress und Herzinfarkten verbunden ist, aber doch immer irgendwie auf seltsame Weise doch noch gut ausgeht.

Sonne und Liebe

Am 11. März war es dann so weit. Alle Hausarbeiten abgegeben, alle Arzt-, Amt- und Apothekenbesuche erledigt, Koffer gepackt und der letzte Blogpost geschrieben. Die nächsten zehn Tage meinte das Leben es gut mit uns. Malou war bester Laune, rannte nach dem Frühstück direkt zur Tür und erst abends wieder hinein. Wir mussten uns nicht um slow living oder slow parenting bemühen, denn es standen keine Termin an. Gar keine. Wir hatten ein paar Orte herausgesucht, die wir besuchen wollten und schafften gerade einmal die Hälfte davon, weil wir immer erst gegen Nachmittag von unserer Farm mit Hühnern und Hunden herunterkamen. Einkaufen oder Kochen mussten wir kaum, sondern haben frisch gefangenen und gegrillten Fisch oder Pastel de Nata und Eis in den Städten und Dörfern gegessen. Wir haben alle Spielplätze an den Promenaden gesehen und nur ein Bruchteil der Sehenswürdigkeiten und waren dabei mehr als glücklich – einfach weil wir beisammen waren und Malou zuschauen konnten. Wir wurden in beiden Unterkünften mit offenen Armen empfangen und würden zu beiden immer wieder fahren.

Nach Sonne kommt Regen

Als Papa Mupfel dann abreiste, folgten ein paar Tage, auf die ich mich eigentlich am meisten gefreut hatte. Wir waren zu Gast in einem Ökodorf, ein Zusammenschluss von Menschen aus aller Welt in der Nähe von Lissabon, die ganz ursprünglich bebauen und anpflanzen, Tiere züchten und leben. Klingt traumhaft? Wäre es unter anderen Umständen auch gewesen, ist es ganz bestimmt, was diese inspirierenden Menschen dort schaffen. Aber wir kamen von erholsamen, warmen Tagen mitten in den Regen, in ein uraltes Steinhaus, was sehr kalt und dunkel war. Unser Zimmer war winzig, die Wärme brachten die geselligen Abende vor dem Kamin. Denen konnte ich aber leider nicht beiwohnen, weil Malou mich zum Schlafen brauchte. Ich verbrachte die Abende also damit sie immer wieder in den Schlaf zu begleiten, weil sie von dem lauten Miteinander der anderen wach wurde. Wäre ich alleine dort gewesen wäre ich wahrscheinlich schwärmend zurück gekommen, so blieben uns nur die negativen Aspekte: kalt, dunkel, Regen Regen Regen, laut. Am ersten Abenden brach ich in Tränen aus und war kurz davor mir einen Flieger nach Hause zu buchen. Ich habe Papa Mupfel dann besonders vermisst und wusste nicht wie ich die 10 Tage dort gut überstehen sollte.

Portugal ist ein wunderschönes Land bei Sonnenschein, auch und vor allem mit Kindern. Und auch bei Regen kann man sicher einiges schönes unternehmen – aber nicht mit Kleinkind. Es gibt keine Kindercafes, keine Indoor Spielplätze oder Hallenbäder. Zusätzlich zu den anstrengenden Abenden und Nächten (Malous Backenzahn kam genau jetzt heraus) kamen also durchweg verregnete Tage, die ich irgendwie herum bekommen musste. Es war kein Urlaub mehr sondern eher ein halbwegs gut durch die Tage kommen. Obwohl ich die Unterkunft für 10 Tage gebucht hatte und erst danach wieder in den Süden des Landes wollte reiste ich nach 5 Tagen ab und verkürzte so meinen Urlaub ein wenig. Das Wetter war nicht nur dort gut, sondern wurde auch in Lissabon besser, aber wir hatten so einen schlechten Start hier, dass ich einfach wieder zurück an die Algarve wollte.

.. und auch immer wieder Sonne

Mit dem Versprechen das nächste Mal mit Papa Mupfel und zu einem besseren Zeitpunkt wieder zukommen verließen wir also das Ökodorf und fuhren wieder in den Süden des Landes. Nach den wirklich kräftezehrenden Tagen haben wir uns ein Superior Zimmer mit Halbpension direkt am Strand gegönnt und unseren Urlaub mehr als gut beendet.

Fünf Tage Sommer zwischen Strand, Spielplatz, Hotelrestaurant und Bett. Malou war ein Engel, wirklich. Sie hat Stunde um Stunde Sand in ihren Eimer gefüllt, Muscheln gesammelt und sortiert oder mit anderen Kindern gewippt. Und ich saß einfach nur erfüllt daneben. Morgens schnappte sie sich ihren kleinen Eimer und konnte ganz frei entscheiden, wann sie zum Spielplatz wollte und wann sie Hunger hatte und wir essen gehen. Das vermisse ich hier daheim am meisten, dass der Alltag und unsere Wohnung in der Vorstadt viele Grenzen zeichnen, so dass Malou sich nicht mehr so frei und unbeschwert bewegen kann.

An Schwierigem wachsen

Hätte ich das gewusst, habe ich mich selbst bemitleidet, als ich in Lissabon saß, wäre ich im Süden geblieben. Aber nun denke ich, dass es gut ist, wie es war. Ich habe dieses Semester im Lektüreseminar gelernt: Bildung entsteht in dem Moment, in dem man plötzlich vor einer Situation steht, die einen überfordert, in der man mit Altbekanntem nicht weiterkommt. Und weil man diesen Moment so oder so überstehen muss, muss man eine Lösung finden. Über sich hinaus wachsen, neue Wege gehen, reifen. Und diese Chance hat mir mein Aufenthalt in Lissabon gegeben.

Ich musste umplanen: Statt in Restaurants haben wir dort gegessen, wo es schnell ging. Malou musste auch mal in den Kinderwagen und wenn sie ins Bett ging alles so bereit stehen, dass ich bei ihr bleiben kann. Ich musste viel in meinem Kopf planen um dann entspannt durch den Tag zu gehen, denn das wollte ich so sehr in diesem Urlaub. Und da planen und an alles denken so gar nicht mein Ding ist, ich aber auf einmal musste, ganz dringend und ganz alleine da am anderen Ende von Europa – habe ich mich in diesen Tagen zusammengerissen und das auch wirklich gut hinbekommen.

Gegen Ende des Urlaubs bekam ich ein Kompliment. Von einem super süßen englischen Rentenpaar, welches ich im Strandhotel später kennen lernte. Was für eine starke junge Frau ich doch wäre, dass ich diese Reise ganz alleine mit Malou mache. Und ich konnte das Kompliment geradeheraus annehmen, was sonst nicht meine Stärke ist. Ich habe es nicht heruntergespielt sondern mich bedankt und gelächelt, weil ich auch wirklich stolz auf mich war. Nicht auf die rosigen 16 Tage, sondern auf eben die fünf, in denen ich mit Sommersachen im Koffer und Kleinkind unter’m Arm durch Matschepfützen gestampft bin. An denen ich am liebsten alles in eben diese Matschepfütze hätte fallen lassen und einmal laut gestampft und geschrien hätte.

Und soll eine Reise nicht beides beinhalten, etwas über sich zu lernen, aber sich auch in seiner comfort zone ausruhen?

 

7

Schreibe eine Nachricht

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.