Vom Fehler machen

11.22.2016

Ich wäre gerne geduldig. Immer ausgelastet, liebe- und verständnisvoll. Ich würde gerne immer erklären statt schimpfen und mir Zeit nehmen meine Tochter zu verstehen.

Ich glaube fest an eine bedürfnisorientierte Erziehung und das war das erste Lebensjahr auch gar nicht so schwer. Wenn Malou weinte war ich da, früh morgens, den ganzen Tag, abends und auch nachts. Da gab und gibt es für mich kein wenn und aber. Die ersten Monate bestehen darin seinem Kind Liebe und Zuneigung zu geben, es mit Essen und Worten zu versorgen und vielleicht ab und zu die Windel zu wechseln. Klingt leicht, war es oft aber nicht. Auch da lagen manchmal meine müden Mama-Nerven blank.

Was aber das erste Jahr so markant von den darauffolgenden Jahren unterscheidet: man muss sich nicht so viele Gedanken machen, sich nicht selbst reflektieren, nachdenken und an sich arbeiten. Die einzigen Gedanken, die Papa Mupfel und ich uns machen mussten waren ob wir Malou zwei Stunden bei ihren Urgroßeltern lassen können, wenn wir klettern gehen, und wer sie abends in’s Bett bringt und wer dafür einkaufen geht. Sie hatte simple Bedürfnisse und die wurden erfüllt: Hunger – stillen oder Essen kochen, Müde – in den Schlaf begleiten, Pämpi voll – wechseln. Alternativen gab es da nicht.

Seit dem Sommer bekommt der kleine Quarkball nun einen eigenen Kopf. Er räumt alles aus, was ihm in die Finger oder in’s Blickfeld gerät, schmeißt sein Essen unter den Tisch und schubst andere Kinder vom Trampolin weg. Da gibt es plötzlich keinen simplen kausalen Zusammenhang, der mir sagt: „Ah, Malou hat also x, dann muss ich y.“ Obwohl ich Frühförderung studiere und damit vielleicht mehr Kenntnisse über die kleinen Gehirnchen besitze, als viele andere Mütter, bin ich oft ratlos. Nicht nur in Bezug darauf was Malou möchte, was sie mit ihren manchmal unerwünschten Taten bezwecken will und was dazu geführt hat, sondern auch – und vor allem – was ich in diesen Situationen tun soll. Schimpfen? Sie weiß ja nicht, was meine Worte bedeuten, wahrscheinlich noch nicht einmal was sie falsch gemacht hat. Sie aus der Situation nehmen? Dann lernt sie nicht damit umzugehen. Die Lösung ist sicher bedingungsloses Verständnis, Ruhe, in Malou hineinhorchen, ihr Verhalten verstehen lernen. Häufig gelingt mir das, aber in stressigen Situationen, oder wenn ich das Gefühl habe sie ärgert mich (obwohl ich natürlich weiß, dass es Quatsch ist!), sind meine Vorsätze oder sogar meine Überzeugung manchmal ganz schnell verschwunden.

Ich gebe zu, dass ich manchmal sehr ungeduldig bin und dann ohne nachzudenken schimpfe. Das tut mir spätestens abends, wenn sie selig schlummernd neben mir liegt, furchtbar leid. Auf einmal seh‘ ich nicht mehr die Momente, in denen ich sie unterstützt, verstanden und liebevoll behandelt habe, sondern es kommen mir all‘ die Situationen in den Sinn, in denen ich keine Geduld hatte, etwas ohne erkennbaren Sinn verboten habe und vielleicht sogar noch laut wurde. Ich versuche dann ganz bewusst über die Momente nachzudenken um sie vielleicht morgen besser zu machen. Außerdem habe ich begonnen Blogs zu lesen und zu abonnieren, die mich auf diesem Wege inspirieren. Die Autorinnen des Blogs Das gewünschteste Wunschkind haben ein Buch zur bedürfnisorientierten Erziehung geschrieben, das habe ich mir gestern gleich mal für mein Kindle gekauft und die halbe Nacht gelesen: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen. Wer es nicht kennt: kauft es euch! Ich habe schon so viele Passagen markiert, bei vielen möchte ich am liebsten JA! schreien, bei anderen werde ich traurig, weil ich sie selbst aus Unwissen falsch gemacht habe.

Aber  ich weiß auch: das Traurig werden und meine Gedanken sind etwas Gutes. Es heißt nämlich, dass ich mein Verhalten reflektiere und darüber nachdenke. Und nur so kann ich es irgendwann besser machen. Sicher werde ich nicht all‘ meine Fehler am nächsten Tag ausradieren können und auch nicht in der nächsten Woche. Aber immerhin bin ich auf dem Weg dahin verständnisvoller zu sein. Ich beginne mein Handeln als Mutter zu hinterfragen und werde so – hoffentlich – zu einer besseren Mama für mein kleines Mädchen.

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2 Comments

  1. Julcha sagt:

    Ich liebe deine Blog Beiträge – hoffentlich lässt dich irgendwann mal jemand ein Kinderbuch schreiben! 🙂 Deine Lebensgeschichten sind so authentisch, ehrlich und liebevoll ❤️

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